Über


Marina Petkova

Als ich viereinhalb war, hat mir meine Grossmutter das Lesen und Schreiben beigebracht. Meine ersten Texte habe ich auf der bereits damals altmodischen Schreibmaschine meines Grossvaters getippt, in den Ferien bei den Grosseltern in Stara Zagora. Es war noch kein Tastenrauschen damals. Die einzelnen Buchstaben flogen klackernd durch die Luft, um weit oben ihre Tinte auf das eingespannte Blatt Papier abzugeben. Ihre dünnen Hebel wirkten wie die überlangen Beine einer betrunkenen, stolpernden Spinne, denn sie verstrickten sich häufig ineinander und man musste sie von Hand lösen. Die Tintenspuren blieben den ganzen Tag auf den Fingern. Damals, fünf oder sechsjährig, schrieb ich kleine Gedichte und sie gerieten immer ziemlich absurd, denn ich erfand zuerst den Reim und suchte erst dann nach dem Sinn. Viele Jahre später komme ich wieder zur Kleinform zurück. Diesmal ist es das leise Rauschen meiner Computertastatur, das mich begleitet, und erfinden muss ich wenig, denn meine Lebens- und Berufswege haben einiges an Stoff ansammeln lassen. Doch das Staunen und das Gefühl der Freiheit beim Schreiben haben sich nie verändert.

Die Geschichten kann man auch live erleben. Im Duo «SagBar» verbinden wir sie mit jazziger Klaviermusik und präsentieren sie vor Publikum. Informationen und Kontakt: hier.