Der Lautsprecher spielte Bossa Nova. Mit trügerischer Leichtigkeit hauchte die Sängerin ihre Melodie ins Mikrofon. Es war noch früh am Abend, die Bar war fast leer. Marius vermied es, seine Bierflasche in der Hand zu halten. Das Bier erwärmte sich sonst zu schnell. Etwas später würden zwei Freunde dazustossen, eine genaue Zeit hatten sie nicht abgemacht. Sie waren zu jung, um ihr Leben im Terminkalender zu fixieren. Marius schaute zu den anderen Gästen hinüber. Es waren nur zwei Studenten da, zwei unruhige Gestalten, die sich über Prüfungen und Abgabefristen unterhielten, man hörte ihre Stimmen durchs leere Lokal hallen. Diese Art von Sorgen hatte Marius zum Glück hinter sich. Neben den beiden kam er sich plötzlich alt vor. Seine Gedanken suchten Beschäftigung und so begann er nachzusinnen: Was würde aus ihnen werden? Würden sie so wie er einen mittelmässigen Job annehmen, nur um einen Job zu haben? Und in der restlichen Zeit Dinge von geringer Bedeutung tun, nur um etwas zu tun? Was würde aus ihm selbst werden? Die Frage stellte er sich selten und ungern.
Was würde aus irgendjemandem werden?
Die Tür ging auf und seine Freunde stürmten hinein. Marius winkte ihnen zu.

Marius und die Zukunft
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