Der Verbrechen und die Strafe

Einst stritten Verbrechen und Strafe, wer von ihnen beiden wohl der Stärkere sei. So setzten sich die beiden auf eine schöne Terrasse mit Blick auf den Comer See und liessen eine Partie Schach darüber entscheiden. Doch das Spiel zog sich in die Länge und kein Urteil zeichnete sich ab. Da kam ein Gärtner des Weges und fragte:
«Hey, ihr zwei, wisst ihr denn nicht, auf wessen Terrasse ihr sitzt?»
«Nein, wissen wir nicht.»
«Das kann nicht möglich sein. Das ist die Villa von George Clooney. Die Familie ist jetzt nicht da, aber wenn sie zurück ist, will ich euch hier nicht haben.»
Verbrechen und Strafe schauten einander an. Sie spielten seit drei Stunden und es war ihnen schauderhaft langweilig geworden.
«Wir könnten ja die Entscheidung…über die Clooneys…», begann Verbrechen etwas zögerlich, «wenn sie zurückkommen…»
«Nein, lass das», widersprach Strafe. «Die Clooneys sind reich, aber Reichtum ist kein Verbrechen.»
«Na ja… ich könnte etwas arrangieren…», schlug Verbrechen vor.
«Nein, lass das», sagte Strafe und die beiden zogen davon.
Sie fanden ein schönes Hotel und beschlossen, die Fehde auf den nächsten Tag zu verschieben. Das Hotel hatte ein Restaurant, das Restaurant hatte eine Terrasse, die Terrasse hatte eine schöne Aussicht und so sassen die beiden bei einem Glas guten Weines, als Verbrechen sagte:
«Eigentlich bin ich ein Mann. Dieses «das Verbrechen» ist absolut falsch. Eigentlich heisst es «der Verbrechen». In Deutschkursen sagen es die Anfänger manchmal richtig. Aber die dummen Lehrer korrigieren sie gleich.»
«Oh, ein Mann!», betrachtete ihn Strafe interessiert. «Und kein unschöner noch dazu…»
Und so landeten die beiden im Bett und es war wunderbar. Am nächsten Morgen bestellten sie Frühstück aufs Zimmer und während sie kuschelten, sagte Strafe:
«Eigentlich müssen wir gar nicht entscheiden, wer von uns beiden wohl der Stärkere sei. Zusammen sind wir doch am stärksten.»
Der Verbrechen war einverstanden und so beschlossen die beiden zu heiraten. Und seitdem gibt es auf der Welt keinen Verbrechen mehr ohne Strafe.

Kommentare sind willkommen und werden nach Prüfung veröffentlicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


© Marina Petkova · Alle Rechte vorbehalten

Schlagwörter: